Zahlreiche Apotheken in Hessen beteiligen sich am bundesweiten Protesttag am 23. März 2026. Viele Betriebe bleiben an diesem Tag geschlossen, um ein unübersehbares Signal an die Politik zu senden: Die flächendeckende Arzneimittelversorgung ist akut gefährdet. In dringenden Fällen wird die Versorgung selbstverständlich über die Notdienstapotheken sichergestellt. Der Hessische Apothekerverband bittet Patientinnen und Patienten, planbare Rezepte möglichst vorab oder wieder ab dem 24. März einzulösen. Welche Apotheke Notdienst hat, erfahren Bürgerinnen und Bürger über die Aushänge vor Ort oder online unter www.aponet.de.
„Die Politik darf nicht länger so tun, als sei die Lage noch beherrschbar. Unsere Apotheken werden seit Jahren kaputtgespart“, sagt Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes (HAV). „Seit 13 Jahren wurde das Honorar für verschreibungspflichtige Arzneimittel faktisch nicht angepasst, während Personal-, Energie-, Miet- und Bürokratiekosten massiv gestiegen sind. Viele Inhaberinnen und Inhaber wissen längst nicht mehr, wie sie diese Entwicklung noch aus eigener Kraft auffangen sollen.“
Die Folgen dieser verfehlten Politik sind längst sichtbar. Bundesweit ist in den vergangenen Jahren fast jede fünfte Apotheke verschwunden. Auch Hessen ist davon massiv betroffen: Zum Stichtag 31.12.2025 gibt es im Land nur noch 1.273 Apotheken. Das sind 273 Apotheken weniger als noch vor 13 Jahren – ein Rückgang um rund 18 Prozent.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung vor Ort: Bereits 21 hessische Kommunen haben keine einzige Apotheke mehr. Rund 76.000 Menschen haben ihre wohnortnahe Versorgung bereits verloren. In weiteren 174 Kommunen gibt es nur noch eine einzige Apotheke. Dort leben rund 972.000 Menschen – also etwa 15 Prozent der hessischen Bevölkerung. Fällt dort auch nur ein weiterer Standort weg, drohen echte Versorgungslücken.
Seyfarth erklärt: „Wir protestieren nicht aus Bequemlichkeit und nicht aus Symbolik. Wir protestieren, weil die Politik ihrer Verantwortung für die Arzneimittelversorgung nicht gerecht wird. Wer Apotheken über Jahre finanziell austrocknet, darf sich über Schließungen nicht wundern. Und wer Schließungen hinnimmt, gefährdet am Ende die Versorgung der Menschen – gerade im ländlichen Raum, aber zunehmend auch in den Städten.“
Weiter sagt Seyfarth: „Unser Protest richtet sich nicht gegen die Patientinnen und Patienten. Im Gegenteil: Wir gehen auf die Straße, damit die Apotheke vor Ort auch morgen noch da ist. Die Bundesregierung muss ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag jetzt endlich einlösen und für eine faire, auskömmliche und verlässliche Vergütung sorgen. Alles andere wäre ein politisches Versagen mit Ansage.“
Zahlreiche hessische Apothekenteams versammeln sich am 23. März ab 11 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz in Fulda, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Dort sprechen unter anderem der HAV-Vorsitzende Holger Seyfarth, die Vizepräsidentin der Hessischen Apothekerkammer, Dr. Schamim Eckert, sowie Vertreter der Landespolitik, darunter der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Dr. Ralf Norbert Bartelt und der gesundheitspolitische Sprecher der der FDP-Landtagsfraktion Yanki Pürsün.
Dieser Seiteninhalt wurde erstellt am 18.03.2026. Letzte Änderung am 18.03.2026.