Zahl der hessischen Apotheken setzt Sinkflug fort

Erneut ist die Zahl der hessischen Apotheken gesunken. Zum 31. Dezember 2016 gab es noch 1.503 Apotheken. Dies ist der niedrigste Stand seit mehr als dreißig Jahren. Seit 2010 ist die Zahl der Betriebe um 101 gesunken. Bundesweit sank die Zahl von Ende 2015 auf Ende 2016 um 226 auf insgesamt 20.023 Betriebsstätten. 

Von den Schließungen betroffen waren sowohl Stadt- wie Landapotheken. Der HAV sieht für den fortlaufenden Trend mehrere Gründe. Mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes im Herbst 2016, der ausländischen Versendern von Arzneimitteln Wettbewerbsvorteile einräumt, die hiesigen Apotheken verwehrt sind, steigt die Unsicherheit über die künftig zu erwirtschaftenden Erträge der Apotheken. Somit fällt es vielen Apothekern, die ihre Apotheke aus Altersgründen abgeben wollen, schwerer, einen Käufer zu finden. In ländlichen Gebieten schlägt der bestehende Ärztemangel auf die Apotheken durch, denn rund 80 Prozent des Apothekenumsatzes wird durch vom Arzt auf Rezept verschriebene Arzneimittel generiert. 

Mira Sellheim, stellvertretende Vorsitzende und Patientenbeauftragte des Hessischen Apothekerverbandes e.V., verweist auf die wachsende Anzahl der Apotheken, die in Zukunft nicht mehr weiter geführt werden können. „Das hat Einfluss auf die Versorgung. Diese beobachten wir insbesondere auf dem Lande sehr aufmerksam und sind stets im Dialog mit der Politik, um Versorgungsengpässe zu verhindern.“

Gleichzeitig besteht durch die zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern abgeschlossenen Rabattverträge ein immenser Beratungs- und logistischer Aufwand, der mit einem entsprechendem Personaleinsatz verbunden ist. Darüber hinaus sind die Kosten für Gehälter, Miete, Energie und Versicherungen stetig gestiegen.

„Die wirtschaftliche Entwicklung der Apotheken blieb in den letzten Jahren hinter der allgemeinen Konjunkturentwicklung zurück", stellt Dr. Detlef Weidemann, Vorstand des Hessischen Apothekerverbandes e.V., fest. „Die betriebswirtschaftliche Situation vieler Apotheken bleibt damit schlecht.“

Apothekenstruktur
Seit 2004 kann jeder Apotheker neben seiner Hauptapotheke bis zu drei Filialapotheken im näheren Umkreis betreiben.

Im Jahr 2016 führten in Hessen
-       931 Apotheker nur eine Apotheke
-       181 eine Hauptapotheke und eine zusätzliche Filiale
-         43 eine Hauptapotheke und zwei Filialen
-         20 eine Hauptapotheke und drei Filialen 

Apotheken fest in Frauenhand
Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind die Öffentlichen Apotheken weiterhin verlässliche Arbeitgeber. Seit einigen Jahren steigt bundesweit die Beschäftigtenzahl, in Hessen bis Ende 2016 auf insgesamt 11.578 Beschäftigte. Davon sind knapp 90 Prozent weiblich. Wenngleich die Männer bei den Apothekenleitern noch die Oberhand haben, holen auch hier die Frauen auf. Mit gut 45 Prozent steuert man auf eine fast ausgeglichene Quote zu. 

Dass der Apothekerberuf ausgesprochen gute Berufsperspektiven aufzeigt, lässt sich auch an einer stetig steigenden Zahl an Pharmaziestudierenden ablesen. 

Die ausgesprochen gute Perspektive für Apothekenberufe sorgt dafür, dass es praktisch keine Arbeitslosen gibt.