Ersatzkassen riskieren das Aus der Arzneimittelversorgung vor Ort

(Offenbach am Main, 14. Februar 2017) – Der Hessische Apothekerverband kritisiert die jüngsten Forderungen des Ersatzkassenverbands vdek zur Arzneimittelversorgung in Deutschland. Die Kassen wollen Verträge mit ausländischen Arzneimittelversendern schließen und den Versicherten die dadurch erzielten Vergünstigungen zum Teil weiterreichen. Einen Rechtsanspruch hierauf wollen sie ihren Versicherten allerdings nicht einräumen. Mit dieser Verlagerung ins Ausland riskieren die Kassen nach Ansicht des HAV-Vorsitzenden Dr. Detlef Weidemann die Akutversorgung durch die niedergelassenen Apotheken vor Ort.

Er kritisiert, dass die Krankenkassen ausländischen Kapitalgesellschaften den Vorzug gegenüber den heimischen Apotheken geben wollen: „Wenn nur noch wenige kapitalgesteuerte Akteure den Markt beliefern, werden am Ende des Tages auch die Verhandlungen für die Kassen schwieriger.“

Vorher, befürchtet Weidemann, bricht aber schon die Akutversorgung für die Versicherten weg. Dies könne passieren, wenn ein entscheidender Teil zum Beispiel von Dauermedikamenten von den Kassen zu ausländischen Versandkonzernen gelenkt wird. Die deutschen Apotheken vor Ort, gerade auf dem Land oder in sozial schwachen Gebieten wären dann in ihrer Existenz bedroht.

Zudem stellt Weidemann fest: „Wenn die Kassen den Versicherten tatsächlich Zuzahlungen erlassen wollten, hätten sie hierzu schon längst die Möglichkeit.“ Manche Patienten hätten den Eindruck, Krankenkassen hätten bei der Herstellervorgabe (Rabattarzneimittel) früher preiswerte, zuzahlungsfreie Präparate bevorzugt, jetzt aber im Listenpreis teurere, bei denen eine Zuzahlung fällig wird. Wenn das stimmt, würden die Kassen bei den teureren Produkten vom Hersteller einen prozentual höheren Rabatt bekommen, zahlen unterm Strich also das gleiche wie vorher. Die Patienten aber müssen jetzt auch zahlen, die Kassen kassieren also doppelt. Die durchschnittliche Zuzahlung pro Packung ist in den letzten fünf Jahren um 17 Prozent von 2,40 EUR auf 2,80 EUR in 2015 gestiegen. Insgesamt betrugen die Zuzahlungen 2015 über 2 Milliarden Euro.

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