Ausmaß der Lieferengpässe gefährdet Therapieerfolge der Patienten

Aufwand der Apotheken mittlerweile wirtschaftlich relevant

(Offenbach am Main, 20. Februar 2020) – Bei Lieferengpässen erhalten Patienten ihre verordneten Arzneimittel in der Apotheke nur mit erheblicher Verzögerung oder gar nicht. Bei akut einzunehmenden Arzneimitteln wie z.B. Antibiotika oder Schmerzmittel kann die Therapie erst zeitverzögert beginnen, was den Therapieerfolg gefährdet. Dann müssen die Patienten mit Hilfe ihrer Ärztin oder ihres Arztes erst auf ein therapeutisch gleichwertiges Arzneimittel umgestellt werden. Dies passiert mittlerweile sehr häufig, erklärt der HAV.

Die Anzahl der nicht verfügbaren Rabattarzneimittel hat sich von 4,7 Mio. in 2017 auf knapp 10 Mio. Packungen Ende 2018 mehr als verdoppelt. Für die Suche nach Alternativen wenden die Apotheker mittlerweile mehr als 10% ihrer Arbeitszeit auf, einige Apotheken stellen sogar Mitarbeiter ausschließlich hierfür ab. Damit wächst sich der Aufwand zu einer finanziellen Belastung der Apotheken aus.

„Wir fühlen mit unseren Patienten, die wir nicht versorgen können“, stellt Apotheker Holger Seyfarth, Vorsitzender des HAV, dar. „Zudem bedeutet die personalintensive Suche nach Arzneimitteln für alle Apotheken eine spürbare finanzielle Belastung.“

In den meisten Fällen geben die Apotheken die von den jeweiligen Krankenkassen vorgesehenen Rabattarzneimittel ab. „Die häufigste Ursache für die Wahl eines anderen Arzneimittels sind Lieferengpässe. Die Partner der Krankenkassen erfüllen dann ihre Verträge nicht, so dass wir unsere Patienten nur mit sehr hohem Aufwand oder gar nicht versorgen können“, so Seyfarth.

Der Apotheker unterstützt daher den in dieser Woche gefassten Beschluss des Bundestages, den Apotheken einen breiteren Spielraum beim Management von Lieferengpässen zu eröffnen. Dieser erleichtert den Apotheken die sofortige Versorgung ihrer Patienten. Zudem fordert Seyfarth eine Vergütung des Mehraufwandes in den Apotheken.

 

 

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